Kurz gesagt
Von 2019 bis 2023 haben deutsche Auftraggeber rund 85.000 Bauaufträge (CPV 45) EU-weit auf TED vergeben, mit einem gemeldeten Gesamtwert von 91 Mrd. Euro. Bei 95 % dieser Zuschläge war der niedrigste Preis das einzige Zuschlagskriterium. Im Median gingen 4 Angebote ein, und nur 12 % der Bauaufträge hatten einen einzigen Bieter, deutlich weniger als im Gesamtmarkt. Am dünnsten ist der Wettbewerb in der technischen Gebäudeausrüstung: Bei Elektro- und Sanitär-/Heizungsarbeiten gab es in rund jedem fünften Fall nur ein Angebot.
Diese Auswertung ist eine eigene Analyse von TenderRender auf Basis der TED-Daten. Sie zeigt den deutschen Bauvergabemarkt oberhalb der EU-Schwellenwerte, aufgeschlüsselt nach Gewerken.
Wie groß ist der EU-weite Bauvergabemarkt in Deutschland?
Gezählt werden Zuschläge, also ein Gewinner pro Los. Im Bau entspricht das fast immer einer Bekanntmachung: Nur 2 % der Bau-Bekanntmachungen in TED enthalten mehr als einen Zuschlag. Fachlose werden in Deutschland meist als eigene Vergabe bekanntgemacht.
| Jahr | Zuschläge | Gesamtwert (Mrd. €) | Median je Zuschlag | Median Angebote | Nur 1 Angebot | Nur Preis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2019 | 14.541 | 16,7 | 285.000 € | 4 | 12,5 % | 95,2 % |
| 2020 | 18.261 | 17,9 | 251.000 € | 4 | 10,2 % | 94,4 % |
| 2021 | 17.621 | 15,8 | 252.000 € | 4 | 9,5 % | 94,5 % |
| 2022 | 16.781 | 17,8 | 302.000 € | 4 | 13,8 % | 94,7 % |
| 2023 | 17.792 | 22,8 | 304.000 € | 4 | 12,3 % | 95,0 % |
| 2019–2023 | 84.996 | 91,0 | 278.000 € | 4 | 11,6 % | 94,7 % |
Bauleistungen machen knapp ein Drittel aller EU-weiten Zuschläge in Deutschland aus und über ein Drittel des gemeldeten Werts. Der mittlere Bauauftrag ist seit 2021 um 21 % gewachsen, von 252.000 auf 304.000 Euro. Der Gesamtwert 2023 lag mit 22,8 Mrd. Euro so hoch wie in keinem anderen Jahr des Zeitraums.
Beachten Sie den Unterschied zum EU-Schwellenwert für Bauleistungen, der 2026 bei 5.404.000 Euro liegt. Dass der Median weit darunter liegt, hat einen Grund: Der Schwellenwert gilt für das gesamte Bauvorhaben. Die einzelnen Fach- und Teillose eines großen Projekts werden dann, bis auf ein begrenztes Kontingent kleiner Lose, EU-weit vergeben, auch wenn jedes Los für sich klein ist.
Wie viele Angebote gibt es pro Bauauftrag?
Im Bau ist der Wettbewerb breiter als im Rest des Vergabemarkts:
| Zahl der Angebote | Anteil der Bauaufträge |
|---|---|
| 1 | 11,6 % |
| 2 | 15,3 % |
| 3–4 | 29,0 % |
| 5–9 | 34,0 % |
| 10 und mehr | 10,2 % |
44 % der Bauaufträge hatten fünf oder mehr Angebote. Über alle Vertragsarten hinweg waren es nur 29 %. Wer im Bau bietet, muss also fast immer mit mehreren Konkurrenten rechnen, und weil der Preis entscheidet, ist der Abstand zum Zweitplatzierten oft klein.
Wettbewerb pro Gewerk: wo es eng ist und wo nicht
Hinter dem Durchschnitt stehen sehr verschiedene Teilmärkte. Die Tabelle zeigt die größten CPV-Gruppen im Bau. Die Gruppe „Bauarbeiten ohne nähere Angabe“ (nur Hauptcode 45000000, 8.339 Zuschläge) ist nicht aufgeführt.
| CPV | Gewerk | Zuschläge | Median-Wert | Median Angebote | Nur 1 Angebot |
|---|---|---|---|---|---|
| 4521 | Hochbau (Gebäude) | 13.618 | 243.000 € | 4 | 12,7 % |
| 4526 | Dach- und andere Spezialbauarbeiten | 10.361 | 204.000 € | 5 | 7,8 % |
| 4531 | Elektroinstallation | 7.600 | 306.000 € | 3 | 21,2 % |
| 4533 | Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsinstallation | 6.726 | 388.000 € | 3 | 19,0 % |
| 4542 | Tischler- und Zimmererarbeiten | 6.672 | 200.000 € | 4 | 10,5 % |
| 4523 | Tiefbau: Leitungen, Straßen, Schienen | 6.240 | 1.022.000 € | 4 | 12,5 % |
| 4511 | Abbruch- und Erdarbeiten | 4.969 | 341.000 € | 5 | 6,3 % |
| 4522 | Ingenieurbau (u. a. Brücken, Tunnel) | 4.467 | 1.201.000 € | 4 | 8,7 % |
| 4543 | Boden- und Wandbeläge | 3.951 | 120.000 € | 6 | 4,7 % |
| 4544 | Maler- und Glaserarbeiten | 3.231 | 206.000 € | 5 | 6,2 % |
| 4532 | Dämmarbeiten | 2.919 | 226.000 € | 5 | 7,1 % |
| 4541 | Putzarbeiten | 1.292 | 123.000 € | 7 | 2,9 % |
Daraus lassen sich drei Gruppen ablesen:
- Technische Gebäudeausrüstung: wenig Wettbewerb. Elektro und Sanitär/Heizung/Lüftung haben im Median nur 3 Angebote, und jeder fünfte Zuschlag ging ohne Konkurrenz weg. Für qualifizierte TGA-Betriebe ist das der attraktivste Teil des öffentlichen Baumarkts.
- Ausbaugewerke: viel Wettbewerb. Putz, Boden- und Wandbeläge, Maler und Dämmung haben im Median 5 bis 7 Angebote, Einzelangebote sind selten (3 bis 7 %). Die Aufträge sind klein und der Markt ist offen, also entscheidet ein knapper Preis.
- Tief- und Ingenieurbau: große Lose, normaler Wettbewerb. Der Median-Auftrag liegt bei über 1 Mio. Euro, mit 4 Angeboten. Hier sind die Eignungsanforderungen höher, die Zahl der Bieter aber nicht kleiner als im Hochbau.
Preis entscheidet, aber nicht bei den großen Projekten
95 % der Bauaufträge wurden allein nach dem Preis vergeben. Das gilt für alle Gewerke ähnlich, mit Werten zwischen 91 % (Tiefbau) und 97 % (Putzarbeiten). Erst bei großen Aufträgen ändert sich das Bild:
| Auftragswert | Zuschläge | Nur Preis | KMU-Anteil der Gewinner |
|---|---|---|---|
| unter 100.000 € | 14.949 | 96,8 % | 73 % |
| 100.000–250.000 € | 16.404 | 96,5 % | 72 % |
| 250.000 € – 1 Mio. € | 22.032 | 95,9 % | 70 % |
| 1–5 Mio. € | 10.281 | 93,5 % | 62 % |
| über 5 Mio. € | 2.814 | 79,1 % | 48 % |
Bei Bauaufträgen über 5 Mio. Euro wird jeder fünfte Zuschlag auch nach Qualitätskriterien vergeben, etwa nach Bauablauf, Terminplanung oder Personal. Genau dort lohnt sich ein ausgearbeitetes Konzept. In den neuen eForms-Daten 2024–2025 liegt der Preisanteil über alle Bauaufträge bei 96 %, der Trend zur Qualitätswertung ist im Bau also nicht erkennbar.
Wer gewinnt Bauaufträge?
Ein zersplitterter Markt. Die Bauzuschläge mit Wertangabe gingen an knapp 28.000 verschiedene Unternehmen. Die zehn größten Gewinner kamen zusammen auf 14 % des Werts, die hundert größten auf 33 %. Im Schnitt gewann ein Unternehmen in fünf Jahren 2,6 EU-weite Bauaufträge.
KMU dominieren. 68 % der Bauzuschläge gingen an Unternehmen, die in TED als KMU gekennzeichnet sind, Tendenz steigend: von 63 % im Jahr 2019 auf 71 % im Jahr 2023. Nach Wert lag der KMU-Anteil zwischen 43 und 56 %.
Kaum ausländische Bieter. Nur 0,6 % der Bauaufträge gingen an Unternehmen mit Sitz außerhalb Deutschlands.
Kurze Laufzeiten, fast nur offene Verfahren. Für die Bauzuschläge 2024–2025 aus den eForms-Daten liegt die mediane Vertragslaufzeit bei 8 Monaten. 94 % dieser Zuschläge kamen aus offenen Verfahren. Rahmenvereinbarungen sind im Bau mit 1 % die Ausnahme.
Saison. Nach Zuschlagsdatum ist der Januar der ruhigste Monat (rund 5.000 Zuschläge in fünf Jahren), März, Mai und Juli sind mit jeweils über 8.000 die stärksten.
Was bedeutet das für Bauunternehmen?
Kalkulation entscheidet, Formalien entscheiden mit. Wenn fast immer der Preis zählt, verlieren Sie vor allem durch zwei Dinge: einen zu hohen Preis oder einen formalen Ausschluss. Ein fehlender Nachweis oder ein falsch ausgefülltes Formblatt kostet den Zuschlag, auch wenn Ihr Preis der beste war.
Gewerk und Größe bewusst wählen. In der TGA und bei großen Ingenieurbau-Losen ist der Wettbewerb dünner. Wer dort die Eignung erfüllt, hat bessere Chancen als im Ausbau mit sechs oder sieben Mitbietern.
Ab 5 Mio. Euro das Konzept vorbereiten. Bei großen Projekten wird Qualität häufiger gewertet. Halten Sie dafür Referenzen, Bauablaufkonzepte und Personalnachweise bereit, damit Sie nicht jedes Mal von vorn anfangen.
Nachfrage beobachten. Der Wert der EU-weiten Bauvergaben lag 2023 auf dem höchsten Stand des Zeitraums. Frühere Vergaben desselben Auftraggebers zeigen, welche Gewerke er regelmäßig ausschreibt.
Wie TenderRender dabei hilft
Für Bauunternehmen unterstützt TenderRender die Arbeit rund um die Kalkulation: Es listet alle Anforderungen aus den Vergabeunterlagen wörtlich mit Quelle und markiert Ausschlusskriterien. Formblätter in Word, PDF und Excel füllt es aus Ihrer Bibliothek aus, Unterschriften bleiben leer. Und über öffentlicheVergabe findet die Suche passende Bauausschreibungen nach Ihrer Unternehmensbeschreibung, mit einer Bewertung der Passung.
Über diese Zahlen
- Quelle: TED (Tenders Electronic Daily, ted.europa.eu). Ausgewertet wurden Zuschläge von Auftraggebern mit Sitz in Deutschland mit CPV-Hauptcode 45 (Bauarbeiten), Zuschlagsjahre 2019 bis 2023. Aufbereitung und Auswertung: TenderRender.
- Abdeckung: Nur EU-weit bekanntgemachte Vergaben, also Bauvorhaben oberhalb des EU-Schwellenwerts (2026: 5.404.000 Euro je Gesamtvorhaben) einschließlich ihrer Lose. Rein nationale Bauvergaben nach VOB/A Abschnitt 1 fehlen.
- Zählweise: ein Zuschlag je Los und Gewinner. Gewerke nach den ersten vier Ziffern des CPV-Hauptcodes.
- Bereinigung: Werte über 10 Mrd. Euro und unter 1.000 Euro aus den Wertangaben ausgeschlossen; Angebotszahlen nur, wo eine Zahl größer 0 gemeldet ist. Ein verwertbarer Wert liegt für 78 % der Bauzuschläge vor.
- KMU: Kennzeichnung des Gewinners als KMU in TED.
- Verfahrensart und Laufzeit: nur aus eForms-Bekanntmachungen 2024–2025.
- Stand: TED-Daten mit Stand März 2026; ab 2024 unvollständig, daher 2023 als letztes volles Jahr. Auswertung vom 15. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Wie viele Bauaufträge werden in Deutschland EU-weit vergeben?
2019–2023 waren es rund 85.000 Zuschläge mit CPV 45, 2023 allein 17.792. Dazu kommen die deutlich zahlreicheren nationalen Bauvergaben unterhalb des Schwellenwerts.
Wie oft entscheidet bei öffentlichen Bauaufträgen nur der Preis?
Bei 95 % der EU-weit bekanntgemachten Bauzuschläge war der Preis das einzige Zuschlagskriterium. Bei Aufträgen über 5 Mio. Euro waren es 79 %.
Wie viele Angebote gibt es bei einer Bauausschreibung?
Im Median 4. 44 % der Bauaufträge hatten fünf oder mehr Angebote, 12 % nur eines. Bei Putz- und Bodenarbeiten liegt der Median bei 6 bis 7, bei Elektro- und Sanitärinstallation bei 3.
In welchen Gewerken ist der Wettbewerb am geringsten?
In der technischen Gebäudeausrüstung. Bei Elektroinstallation ging gut jeder fünfte Zuschlag (21 %) an den einzigen Bieter, bei Sanitär, Heizung und Lüftung 19 %.
Gewinnen kleine Bauunternehmen öffentliche Aufträge?
Ja. 68 % der EU-weiten Bauzuschläge gingen an KMU. Erst bei Aufträgen über 5 Mio. Euro sinkt der Anteil unter die Hälfte.