Kurz gesagt
Deutsche öffentliche Auftraggeber haben von 2019 bis 2023 rund 270.000 Zuschläge EU-weit auf TED bekanntgemacht, im Schnitt etwa 54.000 pro Jahr. Der mittlere Auftragswert (Median) lag bei rund 242.000 Euro, und pro Zuschlag gingen im Median 3 Angebote ein. Zwei Drittel der Zuschläge (67 %) wurden allein nach dem Preis vergeben; bei Bauleistungen waren es 95 %, bei Dienstleistungen 44 %. In gut jedem vierten Fall (26 %) gab es nur ein einziges Angebot.
Diese Auswertung beruht auf einer eigenen Analyse von TenderRender auf Basis der TED-Daten. Sie zeigt, wie der deutsche Markt oberhalb der EU-Schwellenwerte aufgebaut ist: wer was einkauft, wie viel Wettbewerb es gibt und wonach entschieden wird.
Wie viele öffentliche Aufträge vergibt Deutschland pro Jahr?
Gezählt werden Zuschläge, also ein Gewinner pro Los. Eine Bekanntmachung mit drei Losen und drei Gewinnern zählt dreimal. Zum Vergleich steht daneben die Zahl der Vergabebekanntmachungen.
| Jahr | Zuschläge (Lose) | Vergabebekanntmachungen | Gesamtwert (Mrd. €) | Median je Zuschlag |
|---|---|---|---|---|
| 2019 | 47.567 | 37.318 | 46,3 | 244.000 € |
| 2020 | 53.852 | 43.552 | 45,6 | 230.000 € |
| 2021 | 55.240 | 44.566 | 42,8 | 232.000 € |
| 2022 | 57.113 | 45.571 | 55,9 | 251.000 € |
| 2023 | 56.200 | 46.135 | 51,5 | 256.000 € |
| 2019–2023 | 269.972 | 216.905 | 242 | 242.000 € |
Zwei Dinge fallen auf. Die Zahl der Zuschläge ist von 2019 bis 2022 um 20 % gestiegen und blieb 2023 auf diesem Niveau. Und der mittlere Auftrag ist von 2020 bis 2023 um gut 11 % größer geworden.
Den Gesamtwert sollten Sie vorsichtig lesen. Nur für 68 % der Zuschläge ist ein verwertbarer Wert angegeben, und Rahmenvereinbarungen melden oft den Höchstwert statt des tatsächlichen Abrufs. Der Median ist deshalb die robustere Zahl.
Was kauft die öffentliche Hand in Deutschland ein?
Nach Vertragsart verteilen sich die Zuschläge fast gleichmäßig: 39 % Dienstleistungen, 32 % Bauleistungen, 29 % Lieferungen. Nach Wert liegt der Bau mit 92 Mrd. Euro knapp vor den Dienstleistungen mit 85 Mrd. Euro.
Die zehn größten CPV-Bereiche nach Zahl der Zuschläge:
| CPV | Bereich | Zuschläge 2019–2023 | Wert (Mrd. €) | Median-Wert | Median Angebote | Nur 1 Angebot |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 45 | Bauarbeiten | 84.996 | 91,0 | 278.000 € | 4 | 12 % |
| 71 | Architektur-, Ingenieur- und Prüfleistungen | 33.900 | 18,0 | 280.000 € | 3 | 21 % |
| 34 | Transportmittel und Fahrzeuge | 19.380 | 22,1 | 170.000 € | 2 | 47 % |
| 90 | Abwasser, Abfall, Reinigung, Umwelt | 19.226 | 8,6 | 193.000 € | 5 | 12 % |
| 33 | Medizintechnik und Arzneimittel | 12.115 | 2,7 | 226.000 € | 1 | 62 % |
| 79 | Unternehmensdienstleistungen | 8.911 | 8,4 | 417.000 € | 4 | 19 % |
| 72 | IT-Dienstleistungen | 8.512 | 13,5 | 530.000 € | 2 | 44 % |
| 60 | Verkehrsdienstleistungen | 8.305 | 6,8 | 96.000 € | 3 | 24 % |
| 30 | Büro- und Computertechnik | 7.519 | 6,7 | 175.000 € | 3 | 23 % |
| 77 | Land-, Forst- und Gartenbaudienste | 6.230 | 1,0 | 67.000 € | 4 | 11 % |
Knapp ein Drittel aller EU-weiten Zuschläge in Deutschland betrifft also Bauleistungen. Die Planungsleistungen aus CPV 71 folgen mit großem Abstand, sind aber der zweitgrößte Einzelmarkt. Software (CPV 48) kommt mit 5.162 Zuschlägen auf 11,0 Mrd. Euro und hat damit einen der höchsten Werte pro Zuschlag.
Wie viel Wettbewerb gibt es?
Im Median gehen auf einen Zuschlag 3 Angebote ein. Das Mittel liegt bei 6,5, weil einzelne Vergaben mit Dutzenden Angeboten den Schnitt nach oben ziehen. Für Ihre Planung ist die Verteilung aussagekräftiger:
| Zahl der Angebote | Anteil der Zuschläge |
|---|---|
| 1 | 26,0 % |
| 2 | 18,9 % |
| 3–4 | 25,8 % |
| 5–9 | 21,6 % |
| 10 und mehr | 7,7 % |
Fast die Hälfte der Zuschläge (45 %) ging also an einen Bieter, der höchstens einen Konkurrenten hatte. Der Anteil der Vergaben mit nur einem Angebot ist zuletzt gestiegen: von 23–25 % in den Jahren 2019 bis 2021 auf 29 % im Jahr 2022 und 28 % im Jahr 2023.
Wie dünn der Wettbewerb ist, hängt stark vom Bereich ab. Bei Lieferungen gab es in 44 % der Fälle nur ein Angebot, bei Bauleistungen nur in 12 %. In der Medizintechnik (CPV 33) und bei Labor- und Präzisionsgeräten (CPV 38) waren Einzelangebote sogar die Regel, mit 62 % beziehungsweise 67 %. Bei Reinigungs- und Entsorgungsleistungen (CPV 90) lag der Median dagegen bei 5 Angeboten.
Preis oder wirtschaftlichstes Angebot?
Von den Zuschlägen mit bekanntem Zuschlagskriterium wurden 67 % allein nach dem niedrigsten Preis vergeben und 33 % nach dem wirtschaftlichsten Angebot, also mit Qualitätskriterien neben dem Preis. Dieser Anteil war in allen fünf Jahren nahezu gleich (66 bis 70 %).
Der Durchschnitt verdeckt große Unterschiede:
| Vertragsart | Nur Preis (2019–2023) | Nur Preis (2024–2025) |
|---|---|---|
| Bauleistungen | 94,7 % | 96,2 % |
| Lieferungen | 67,3 % | 55,6 % |
| Dienstleistungen | 44,0 % | 35,6 % |
Bei Bauaufträgen entscheidet fast immer der Preis. Bei Dienstleistungen ist die Qualitätswertung inzwischen die Mehrheit, und der Trend geht weiter in diese Richtung. Am deutlichsten ist das bei Architektur- und Ingenieurleistungen (CPV 71): Dort wurden nur 25 % der Zuschläge allein nach dem Preis vergeben.
Die Werte für 2024–2025 stammen aus den neuen eForms-Bekanntmachungen und sind für diese Jahre nicht vollständig. Als Anteil zeigen sie trotzdem die Richtung.
Welche Verfahrensarten werden genutzt?
Die Verfahrensart ist in den älteren TED-Daten für Deutschland fast nie ausgefüllt. Verlässliche Anteile gibt es erst seit den eForms-Bekanntmachungen. Für die Zuschläge 2024–2025 ergibt sich:
| Verfahrensart | Anteil 2024–2025 |
|---|---|
| Offenes Verfahren | 76,2 % |
| Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb | 14,8 % |
| Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb | 7,1 % |
| Nicht offenes Verfahren | 1,6 % |
| Wettbewerblicher Dialog, Innovationspartnerschaft, Sonstige | 0,3 % |
Drei von vier Zuschlägen kommen aus offenen Verfahren. Das nicht offene Verfahren spielt oberhalb der Schwellenwerte kaum eine Rolle. Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb enden fast immer mit einem einzigen Angebot (76 % der Fälle), was in der Natur des Verfahrens liegt.
KMU, Rahmenvereinbarungen und Laufzeiten
KMU-Anteil. 58 % der Zuschläge gingen an Unternehmen, die in TED als kleine oder mittlere Unternehmen gekennzeichnet sind. Der Anteil stieg von 53 % (2019) auf 61 % (2023). Nach Wert ist er kleiner und schwankt zwischen 37 und 53 %, denn große Aufträge gehen häufiger an Großunternehmen: Bei Zuschlägen über 5 Mio. Euro lag der KMU-Anteil bei 42 %, unter 100.000 Euro bei 63 %.
Rahmenvereinbarungen. 14 % der Zuschläge sind Rahmenvereinbarungen. Bei Lieferungen sind es 23 %, bei Dienstleistungen 19 %, bei Bauleistungen nur 1 %. In der Medizintechnik (42 %) und bei Unternehmensdienstleistungen (36 %) ist die Rahmenvereinbarung fast der Normalfall.
Laufzeiten. Auch die Vertragslaufzeit ist erst in den eForms-Daten gut erfasst. Für die Zuschläge 2024–2025 mit Laufzeitangabe beträgt der Median 24 Monate, der Durchschnitt knapp 28 Monate.
Ausländische Bieter. Nur 2,3 % der Zuschläge gingen an Unternehmen mit Sitz außerhalb Deutschlands.
Was bedeutet das für Bieter?
Wettbewerb gezielt suchen. In jedem vierten Verfahren gab es nur ein Angebot. Ob ein Markt eng oder offen ist, lässt sich vorher abschätzen: Schauen Sie sich frühere Vergaben desselben Auftraggebers und CPV-Codes an. Wo regelmäßig nur ein oder zwei Angebote eingehen, steigen die Chancen eines gut vorbereiteten Neueinsteigers.
Wertungsmethode zuerst lesen. Im Bau gewinnt meist der niedrigste Preis, bei Dienstleistungen zählt in der Mehrheit der Fälle auch die Qualität. Bevor Sie Zeit in Konzepte stecken, prüfen Sie in den Vergabeunterlagen, ob und wie stark Qualität gewertet wird.
Rahmenvereinbarungen ernst nehmen. Wer eine Rahmenvereinbarung verliert, ist bei diesem Auftraggeber für die gesamte Laufzeit draußen, nach Art. 33 der Richtlinie 2014/24/EU in der Regel bis zu vier Jahre. Die Bid/No-Bid-Entscheidung sollte das einpreisen.
Als KMU nicht abschrecken lassen. Mehr als die Hälfte der Zuschläge ging an KMU, auch oberhalb der EU-Schwellenwerte.
Wie TenderRender dabei hilft
TenderRender gleicht Ausschreibungen von öffentlicheVergabe, TenderNed und der belgischen BOSA-Plattform mit Ihrer Unternehmensbeschreibung ab und bewertet die Passung. Für eine einzelne Ausschreibung zeigt die Historie frühere Bekanntmachungen und frühere Gewinner aus TED und den nationalen Plattformen. Danach prüft TenderRender Ihren Angebotstext pro Zuschlagskriterium, mit einer Bewertung je Unterkriterium und konkreten Verbesserungsvorschlägen.
Über diese Zahlen
- Quelle: TED (Tenders Electronic Daily, ted.europa.eu), das EU-Amtsblatt für Vergabebekanntmachungen. Ausgewertet wurden Bekanntmachungen vergebener Aufträge von Auftraggebern mit Sitz in Deutschland, Zuschlagsjahre 2019 bis 2023. Die Daten wurden von TenderRender aufbereitet und ausgewertet.
- Abdeckung: Nur EU-weit bekanntgemachte Vergaben, also im Wesentlichen Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte. Vergaben unterhalb der Schwellenwerte, die nur national veröffentlicht werden, fehlen.
- Zählweise: Eine Zeile ist ein Zuschlag je Los und Gewinner. Vergabebekanntmachungen sind eindeutige TED-Veröffentlichungsnummern.
- Bereinigung: Werte über 10 Mrd. Euro (offensichtliche Fehler) und unter 1.000 Euro (fehlende oder Einheitspreise) sind aus den Wertangaben ausgeschlossen. Vergaben von EU-Institutionen und -Agenturen mit Sitz in Deutschland (z. B. EZB, EASA) sind nicht enthalten. Angebotszahlen nur, wo eine Zahl größer 0 gemeldet ist.
- KMU: Kennzeichnung des Gewinners als KMU in TED, nicht die Zahl der KMU-Angebote (die in den Altdaten nicht erfasst ist).
- Verfahrensart und Laufzeit: nur aus eForms-Bekanntmachungen 2024–2025, weil diese Felder vorher fast leer sind.
- Stand: TED-Daten mit Stand März 2026; die Jahre ab 2024 sind darin noch nicht vollständig, deshalb ist 2023 das letzte volle Jahr. Auswertung vom 15. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Wie viele öffentliche Aufträge werden in Deutschland EU-weit vergeben?
Von 2019 bis 2023 wurden in TED rund 270.000 Zuschläge deutscher Auftraggeber in 217.000 Vergabebekanntmachungen veröffentlicht. 2023 waren es 56.200 Zuschläge. Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte kommen noch hinzu, werden aber nur national veröffentlicht.
Wie hoch ist ein typischer öffentlicher Auftrag in Deutschland?
Der Median aller EU-weit bekanntgemachten Zuschläge lag 2019–2023 bei rund 242.000 Euro, 2023 bei 256.000 Euro. IT-Dienstleistungen liegen mit 530.000 Euro deutlich darüber, Garten- und Forstdienste mit 67.000 Euro deutlich darunter.
Wie oft entscheidet allein der Preis?
Bei 67 % der Zuschläge mit bekanntem Kriterium war der niedrigste Preis das einzige Zuschlagskriterium. Bei Bauleistungen waren es 95 %, bei Dienstleistungen 44 %, bei Architektur- und Ingenieurleistungen nur 25 %.
Wie viele Angebote gehen im Schnitt ein?
Im Median 3. In 26 % der Fälle gab es nur ein einziges Angebot, in 8 % zehn oder mehr. Am wenigsten Wettbewerb gab es bei Medizintechnik und Laborgeräten.
Welchen Anteil haben KMU an öffentlichen Aufträgen?
58 % der EU-weit bekanntgemachten Zuschläge 2019–2023 gingen an Unternehmen, die in TED als KMU gekennzeichnet sind. Nach Auftragswert lag der Anteil zwischen 37 und 53 %.