Kurz gefasst
Für IT-Ausschreibungen brauchen Sie zwei Arten von Werkzeugen: eines, das passende Ausschreibungen findet, und eines, das die oft langen Vergabeunterlagen samt Vertragsentwurf liest. Ausdrücklich für das Lesen, Prüfen und Beantworten von Vergabeunterlagen beschreiben sich TenderRender, Tender Republic, Leto, tendigo, procuris und Tender Zen. Für reine Suche reichen Vergabepilot, Vergabefix oder die amtlichen Portale. Eine eigene EVB-IT- oder UfAB-Funktion nennt keiner dieser Anbieter auf seiner Website: Die Vertragsmuster und die Bewertungsmethode lesen Sie weiterhin selbst, die Software hilft dabei, sie in den Unterlagen zu finden.
Dieser Vergleich wurde von TenderRender veröffentlicht; wir stellen selbst eines der besprochenen Werkzeuge her. Er stützt sich auf öffentlich verfügbare Informationen auf den Websites der Anbieter, geprüft am 15. Oktober 2026. Er ist kein unabhängiger Test und keine vollständige Marktübersicht.
Was bei IT-Ausschreibungen anders ist
Die Vertragsbedingungen sind Teil der Ausschreibung. Bei IT-Beschaffungen der öffentlichen Hand liegen den Vergabeunterlagen meist die EVB-IT bei, die Ergänzenden Vertragsbedingungen für die Beschaffung von IT-Leistungen. Laut dem Portal Digitale Verwaltung gibt es 12 EVB-IT-Vertragstypen, etwa Kauf, Dienstleistung oder Rahmenvereinbarung. Für Bundesbehörden ist ihre Anwendung gemäß Verwaltungsvorschrift zu § 55 BHO verbindlich, die Länder sehen großenteils ähnliche Pflichten vor. Für Bieter heißt das: Haftung, Abnahme, Nutzungsrechte und Pflege stehen oft schon fest, bevor Sie das erste Mal kalkulieren.
Die Bewertung folgt oft der UfAB. Die „Unterlage für Ausschreibung und Bewertung von IT-Leistungen" ist ein Praxisleitfaden des Beschaffungsamts des BMI. Ihr Inhaltsverzeichnis nennt unter anderem die einfache und die erweiterte Richtwertmethode, bei denen Leistung und Preis ins Verhältnis gesetzt werden. Wer die Methode kennt, versteht, wie viel Mehrleistung welchen Preisaufschlag trägt.
Der Markt ist dünn besetzt. Nach unserer Auswertung von TED-Daten gab es bei 46 % der IT-Zuschläge 2019 bis 2023 nur ein Angebot, und im Zeitraum 2024 bis 2025 kam gut jeder vierte IT-Zuschlag aus einem Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb. Details lesen Sie in IT-Ausschreibungen in Deutschland in Zahlen. Wer früh von einer Ausschreibung weiß, hat deshalb einen echten Vorsprung.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
- Abdeckung der Quellen. IT-Ausschreibungen erscheinen auf TED, bund.de, in den Landesportalen und auf Plattformen wie DTVP. Prüfen Sie, ob Ihre typischen Auftraggeber abgedeckt sind.
- Suchprofil nach Inhalt, nicht nur nach Stichwort. „Software" findet zu viel, „Fachverfahren" zu wenig. Eine Profilbeschreibung in normaler Sprache spart Sichtungszeit.
- Fundstelle pro Aussage. Haftungsgrenzen, Laufzeiten und Service-Level müssen Sie in der Quelle nachprüfen können.
- Anforderungen und K.-o.-Kriterien. IT-Lastenhefte haben viele Muss-Anforderungen. Ein Werkzeug sollte sie einzeln auflisten.
- Datenschutz. Vertragsunterlagen enthalten Sicherheitskonzepte. Klären Sie Hosting, Zertifizierung und Training mit Ihren Daten, siehe KI für Ausschreibungen und Datenschutz.
Die Werkzeuge im Überblick
1. TenderRender: Suche, Analyse und Angebot in einem Arbeitsbereich
TenderRender durchsucht öffentlicheVergabe und gleicht jede Ausschreibung mit Ihrer Firmenbeschreibung in normaler Sprache ab, mit Begründung und täglicher E-Mail. Die Analyse listet Anforderungen und Ausschlusskriterien wörtlich, mit Seitenangabe. Dazu kommen Bieterfragen mit Fundstelle, das Ausfüllen von Formularen wie der EEE aus Ihrer Bibliothek und eine Prüfung Ihres Textes pro Zuschlagskriterium. TenderRender ist ISO-27001-zertifiziert, speichert Daten auf europäischen Servern und trainiert nicht mit Ihren Dokumenten.
Am besten für: IT-Häuser, die mehrmals im Jahr bieten und Suche, Analyse und Konzept in einer Software haben möchten.
Zu beachten: Eine eigene EVB-IT-Prüfung gibt es nicht; die Vertragsunterlagen werden wie alle anderen gelesen. Ausschreibungen, die nirgends veröffentlicht sind, findet TenderRender nicht. Unter fünf Ausschreibungen im Jahr lohnt es sich meist nicht.
2. Tender Republic: Vorprüfung und Unterlagen-Chat
Tender Republic durchsucht nach eigenen Angaben 272 Vergabeplattformen, prüft K.-o.-Kriterien und bietet einen Chat mit den Unterlagen samt Fundstelle sowie einen Angebotsassistenten.
Am besten für: Mittelständler, die früh sehen wollen, an welcher Muss-Anforderung ein Angebot scheitern würde.
3. Leto: oberschwellige Ausschreibungen und Formblätter
Leto findet nach eigenen Angaben Ausschreibungen ab den EU-Schwellenwerten, zeigt Auftragswert, Fristen und geforderte Nachweise auf einer Seite und beantwortet Fragen zu den Unterlagen mit Link zur Originalstelle. Formblätter füllt es mit Firmendaten aus. Die Website richtet sich an Planungsbüros und Handwerksbetriebe, nicht ausdrücklich an IT-Firmen.
Am besten für: Teams, die vor allem EU-weite Verfahren verfolgen und Formblätter vorbefüllen wollen.
Zu beachten: Unterschwellige Ausschreibungen nennt Leto nicht.
4. tendigo: Eignungsabgleich mit dem Firmenprofil
tendigo bündelt laut Anbieter über 800 deutsche Vergabequellen, analysiert Vergabeunterlagen, gleicht die Eignung mit Ihrem Firmenprofil ab und entwirft Angebotstexte. Der Anbieter nennt einen dauerhaft nutzbaren kostenlosen Tarif.
Am besten für: kleinere IT-Firmen, die erst einmal ohne Budget testen wollen.
5. procuris: Anforderungs-Workspace
procuris durchsucht laut Anbieter 90+ Portale und TED, extrahiert Anforderungen einzeln, listet Ausschluss- und Bewertungskriterien getrennt und zeigt Fristen auf einer Timeline. Eine kostenlose Stufe für Einzelpersonen ist ausgewiesen.
Am besten für: Teams, die Muss-Anforderungen einzeln freigeben und Fristen im Blick halten wollen.
6. Tender Zen: eigene Analysefragen
Tender Zen nennt als Zielgruppe Bau-, Ingenieur- und IT-Firmen, durchsucht 150+ Portale und beantwortet eigene, bei jeder Ausschreibung wiederkehrende Fragen, etwa „Welche Zertifizierungen werden gefordert?". Zudem gibt es einen Referenz-Abgleich und optional Self-Hosting.
Am besten für: IT-Firmen, die bei jeder Ausschreibung dieselben Fragen (Zertifikate, Referenzen, Laufzeiten) abarbeiten.
7. Vergabepilot und Vergabefix: Suche zuerst
Vergabepilot durchsucht laut Anbieter 300+ Portale, bietet einen Basis-Tarif für 0 Euro und KI-Checklisten zur Ausschreibungsanalyse. Vergabefix bietet semantische Suche mit Suchagenten und KI-Zusammenfassungen der Eignungskriterien.
Am besten für: Firmen, die erst einmal nur wissen wollen, was ausgeschrieben wird.
8. Amtliche Portale und ChatGPT
bund.de und oeffentlichevergabe.de sind kostenlos, haben aber kein Matching. Allgemeine KI wie ChatGPT kann einzelne Dokumente zusammenfassen, belegt Fundstellen aber nicht verlässlich, siehe ChatGPT für Ausschreibungen nutzen?.
Am besten für: gelegentliche Ausschreibungen und kleine Dokumente.
Vergleich auf einen Blick
| Werkzeug | Schwerpunkt laut Anbieter | Unterlagen-Chat mit Fundstelle | Kostenloser Einstieg |
|---|---|---|---|
| TenderRender | Suche, Analyse, Schreiben, Prüfung | Ja | Preis auf Anfrage |
| Tender Republic | Vorprüfung, Angebotsassistent | Ja | Nicht angegeben |
| Leto | Oberschwellige Suche, Formblätter | Ja | Demo kostenlos |
| tendigo | Eignungsabgleich, Texte | Ja | Ja, dauerhaft |
| procuris | Anforderungen, Fristen | Ja | Ja, Einstiegsstufe |
| Tender Zen | Eigene Analysefragen | Chat | Kostenlos testen |
| Vergabepilot | Suche, Checklisten | Nicht angegeben | Basis-Tarif 0 € |
| Amtliche Portale | Veröffentlichung | Nein | Ja |
So wählen Sie
| Wenn Sie vor allem … | Wählen Sie |
|---|---|
| Suche, Analyse und Konzept in einem Werkzeug wollen | TenderRender |
| früh K.-o.-Kriterien erkennen wollen | Tender Republic oder procuris |
| immer dieselben Fragen an die Unterlagen stellen | Tender Zen |
| EU-weite Verfahren verfolgen und Formblätter vorbefüllen | Leto |
| ohne Budget starten möchten | tendigo, procuris oder Vergabepilot Basis |
| nur selten bieten | amtliche Portale und eigene Prüfung |
Häufige Fragen
Was sind EVB-IT?
Die Ergänzenden Vertragsbedingungen für die Beschaffung von IT-Leistungen sind standardisierte Vertragsmuster der öffentlichen Hand, laut Digitale Verwaltung derzeit 12 Vertragstypen. Für Bundesbehörden ist ihre Anwendung verbindlich.
Was ist die UfAB?
Die Unterlage für Ausschreibung und Bewertung von IT-Leistungen ist ein Leitfaden des Beschaffungsamts des BMI für die Planung von IT-Vergaben und die Wertung von Angeboten, unter anderem mit der Richtwertmethode.
Prüft Ausschreibungssoftware die EVB-IT-Verträge?
Keiner der hier genannten Anbieter beschreibt auf seiner Website eine eigene EVB-IT-Prüfung. Die Werkzeuge lesen die Vertragsunterlagen wie andere Vergabeunterlagen und verweisen auf Fundstellen. Rechtlich bewerten müssen Sie die Klauseln selbst oder mit Beratung.
Warum gibt es bei IT-Ausschreibungen so oft nur ein Angebot?
Nach unserer TED-Auswertung hatten 46 % der deutschen IT-Zuschläge 2019 bis 2023 nur ein Angebot. Ein Grund sind Direktvergaben für Erweiterungen und Wartung bestehender Systeme.
Ist dieser Vergleich unabhängig?
Nein. TenderRender hat ihn veröffentlicht und stellt eines der Werkzeuge her. Testen Sie jedes Werkzeug mit den Unterlagen einer abgeschlossenen Ausschreibung.
Quellen
- EVB-IT und BVB: Digitale Verwaltung
- UfAB 2018: Beschaffungsamt des BMI (PDF)
- TenderRender: Finden und analysieren, Über TenderRender
- Tender Republic: tenderrepublic.de
- Leto: getleto.ai
- tendigo: tendigo.de
- procuris: procuris.eu
- Tender Zen: tenderzen.de
- Vergabepilot: vergabepilot.ai
- Vergabefix: vergabefix.de
- Amtliche Portale: bund.de, oeffentlichevergabe.de